Der Kiessee Göttingen steht vor einer ungewissen Zukunft. Die fortschreitende Verschlammung gefährdet nicht nur die Wasserqualität, sondern ein gesamtes Ökosystem sowie einen der wichtigsten Erholungsräume der Stadt. Obwohl die Notwendigkeit der Entschlammung seit Jahren bekannt ist und nach abgeschlossener Kampfmitteluntersuchung eigentlich alle Voraussetzungen erfüllt sind, bleibt die Finanzierung weiterhin ungeklärt
Die Folgen sind bereits heute sichtbar. Lebensräume für Fische gehen verloren, Vogelarten finden immer schlechtere Bedingungen vor und auch die Nutzung durch Wassersportvereine wird langfristig unmöglich. Gleichzeitig verlieren die Menschen in Göttingen einen zentralen Ort für Bewegung, Begegnung und Erholung.
Die Kosten für eine Entschlammung belaufen sich je nach Verfahren auf mehrere Millionen Euro. Für eine Kommune wie Göttingen ist das aus eigener Kraft kaum zu stemmen. Genau hier zeigt sich ein strukturelles Problem, das im Wahlkampf nicht länger ignoriert werden darf.
„Vor Ort wird viel versprochen, aber die Realität ist: Die Kommunen werden finanziell im Stich gelassen. Wer den Kiessee retten will, muss endlich ehrlich sagen, wo das Geld herkommen soll“, erklärt Jost Leßmann, Fraktionsvorsitzender der Wähler*innengemeinschaft Göttinger Linke.
Die etablierten Parteien stehen hier in der Verantwortung. Während sie kommunal den Erhalt von Natur und Lebensqualität betonen, fehlen auf Bundesebene die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen. Stattdessen werden Prioritäten gesetzt, die zulasten der Städte und Gemeinden gehen.
„Es kann nicht sein, dass Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, während zentrale Aufgaben vor Ort nicht mehr finanziert werden können. Wir brauchen eine klare politische Neuausrichtung“, so Nornia Marcinkiewicz.
Dazu gehört auch eine gerechtere Steuerpolitik. Ohne eine grundlegende Reform der Einnahmeseite werden Kommunen weiterhin gezwungen sein, wichtige Projekte gegeneinander auszuspielen.
„Die Menschen erwarten zu Recht, dass ihre Lebensqualität geschützt wird. Dazu gehören funktionierende Infrastruktur, soziale Sicherheit und intakte Natur. Der Kiessee ist kein Luxus, sondern Teil öffentlicher Daseinsvorsorge“, betont Nornia Marcinkiewicz.
Die Entschlammung des Kiessees darf nicht weiter aufgeschoben werden. Es braucht jetzt verbindliche Zusagen und eine nachhaltige Finanzierung durch Bund und Land. Der Erhalt dieses einzigartigen Natur- und Erholungsraums ist eine Frage politischer Prioritätensetzung.

