Göttinger Linke kritisiert Notfallplan der GöVB: „Mobilität darf nicht kaputtgespart werden“
Göttingen, den 18.05.2026
Die Wähler*innengemeinschaft Göttinger Linke kritisiert die vom Aufsichtsrat der GöVB beschlossenen Maßnahmen im sogenannten Notfallplan scharf. Vorgesehen sind unter anderem eine Ausdünnung der Taktung, die Streichung der Linie 33, die Fremdvergabe der Linie 34 sowie Kürzungen im Nachtbusverkehr.
„Diese Maßnahmen verschärfen die Probleme, statt sie zu lösen“, erklärt Jost Leßmann, Fraktionsvorsitzender der Göttinger Linken. „Mobilität ist ein Grundrecht. Wenn Busverbindungen eingeschränkt werden, trifft das besonders ältere Menschen, Kranke und alle, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.“
Die Göttinger Linke betont, dass die angespannte Situation bei der GöVB real ist. Hohe Krankenstände, zahlreiche Überstunden und verschobene Urlaube zeigten deutlich, dass die Beschäftigten dringend entlastet werden müssen. „Es kann nicht sein, dass Fahrer*innen über Monate hinweg am Limit arbeiten und kaum Möglichkeiten haben, sich zu erholen“, sagt Nornia Marcinkiewicz. „Die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden, aber nicht auf Kosten der Fahrgäste.“
Kritisch sieht die Göttinger Linke zudem das Vorgehen des Aufsichtsrates. Die beschlossenen Maßnahmen seien ohne ausreichende Einbindung von Betriebsrat und Belegschaft getroffen worden. „Wer Lösungen finden will, muss die Beschäftigten einbeziehen“, so Leßmann. „Sie wissen am besten, wo Probleme liegen und wie man den Betrieb verbessern kann.“
Aus Sicht der Göttinger Linken gibt es konkrete Alternativen zu den beschlossenen Kürzungen. Dazu gehören unter anderem eine bessere Abstimmung von Ampelschaltungen und Verkehrsführung sowie ein direkter Dialog zwischen Stadtplanung und den Busfahrenden. Darüber hinaus fordert die Wähler*innengemeinschaft mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und echte Mitbestimmung für die Beschäftigten. Die notwendigen finanziellen Mittel müssen von der Stadt bereitgestellt werden, wenn sie eine funktionierende öffentliche Daseinsvorsorge für alle Bewohnerinnen ernst nimmt
„Gerade nachts muss eine Stadt sicherstellen, dass Menschen zuverlässig nach Hause kommen, insbesondere Frauen und junge Menschen“, ergänzt Marcinkiewicz. „Ein Rückbau des Angebots ist hier das völlig falsche Signal.“
Grundsätzlich fordert die Göttinger Linke mehr demokratische Kontrolle über die öffentliche Daseinsvorsorge. „Die Auslagerung zentraler Aufgaben in städtische Tochtergesellschaften entzieht sie der öffentlichen Kontrolle“, kritisiert Leßmann. „Wir setzen uns dafür ein, dass Unternehmen wie die GöVB wieder stärker in die Verantwortung des Rates und damit der Bürger*innen zurückgeführt werden.“
Die Göttinger Linke fordert den Aufsichtsrat der GöVB auf, die beschlossenen Maßnahmen zurückzunehmen und gemeinsam mit Beschäftigten, Stadt und Öffentlichkeit tragfähige Lösungen zu entwickeln.

