Am Freitag, den 20.03.2026, fand unsere Veranstaltung zur Frage statt, wie eine soziale und fortschrittliche Wohnungspolitik aussehen kann. Dabei bekamen wir spannende Einblicke in die Entwicklungen in Graz und warfen zugleich einen Blick auf die Situation hier in Göttingen.
Zum Einstieg gab Hendrik Falkenberg, langjähriges Mitglied der
Wählerinnengemeinschaft Göttinger Linke und unter anderem aktiv in der Stadtteilinitiative GROBIAN sowie im Ortsrat Grone, einen Überblick über die Lage auf dem Göttinger Wohnungsmarkt. Anhand von Zahlen und Beispielen wurde schnell deutlich: Ein Großteil der Wohnungen befindet sich in privater Hand oder gehört großen Immobilienfirmen. Die Folgen sind für viele Mieterinnen spürbar – steigende Kosten, Konflikte um Nebenkostenabrechnungen und problematische Wohnverhältnisse. Auch die aktuelle Auseinandersetzungen der Mieterinneninitiative mit dem LEG-Konzern sowie sogenannte „Problemimmobilien“ wurden thematisiert. Im Anschluss berichteten Hanno Wisiak, Büroleiter der Gemeinderatsfraktion der KPÖ in Graz, Bezirksvorsteher in Graz-Geidorf und Mitglied der Programmkommission, sowie Daniela Gamsjäger-Katzensteiner, Finanzsprecherin, stellvertretende Vorsitzende der kommunistischen Fraktion im Grazer Rathaus und Parteisekretärin, eindrucksvoll von den Entwicklungen in Graz. Sie zeigten, wie es der KPÖ Graz gelungen ist, sich über Jahrzehnte hinweg als verlässliche Ansprechpartnerin in Wohnungsfragen zu etablieren. Statt nur im Wahlkampf präsent zu sein, war die Partei kontinuierlich für die Menschen erreichbar. Dies war ein entscheidender Faktor für ihren politischen Erfolg, der 2021 schließlich zur stärksten Kraft in Graz wurde. Besonders spannend waren die konkreten Maßnahmen, die in Graz umgesetzt wurden: Zuschüsse für Mieterinnen bei zu hohen Wohnkosten, ein Kautionsfonds sowie Investitionen in die Sanierung von Gemeindewohnungen und die Sicherung von Boden vor Investoren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass kommunale Politik an Grenzen stößt. So etwa bei Eingriffen in private Eigentumsverhältnisse oder durch die begrenzte finanzielle Ausstattung der Kommunen.
Die Erfahrungen aus Graz zeigen eindrücklich, dass Verbesserungen für die breite Bevölkerung auch im Kapitalismus möglich sind, wenn politischer Wille, Ausdauer und eine klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Menschen zusammenkommen.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Referentinnen für die spannenden Einblicke sowie bei allen Besucherinnen für die engagierte Diskussion und das große Interesse!
Fortschrittliche Wohnpolitik wie in Graz… und in Göttingen?

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