-einstimmig beschlossen- Interfraktionelle Resolution von den Fraktionen der Wähler*innengemeinschaft Göttinger Linke, Die Grünen, SPD, CDU sowie der USE- und PARTEI/Volt-Ratsgruppen sowie des Rh. Dr. Welter-Schultes: Erhalt des „Haus der Kulturen“ in der Weststadt
Der Rat möge beschließen:
Das „Haus der Kulturen“ besitzt als offener Raum für verschiedene Vereine und Initiativen einen großen Wert für die Stadt Göttingen. Wir setzen uns für seinen Erhalt ein.
Der Rat der Stadt Göttingen solidarisiert sich mit allen Nutzenden und
Betreiber*innen des „Haus der Kulturen“ in der Weststadt Göttingen. Er fordert den Bund sowie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf, gemeinsam mit den Beteiligten eine tragfähige Lösung zu finden, die den Verbleib des Hauses am jetzigen Standort ermöglicht.
Begründung:
Das „Haus der Kulturen“ ist weit mehr als ein Gebäude – es ist ein lebendiger, offener Ort, der das soziale und kulturelle Gesicht Göttingens seit fast drei Jahrzehnten prägt. Dem Verein Zukunftswerkstatt e.V, der 1996 das „Haus der Kulturen“ übernommen hat, wurde die Nutzung der Immobilie aufgrund von Brandschutzbestimmungen fristlos gekündigt. Diese Kündigung gefährdet nicht nur den Fortbestand zahlreicher Initiativen, sondern würde eine bedeutende Lücke in der sozialen und kulturellen Infrastruktur der Stadt reißen. Das „Haus der Kulturen“ ist ein einzigartiges Projekt, welches sich als soziokulturelles Zentrum etabliert hat. Viele Menschen aus Göttingen kennen die Freiluftbühne und haben hier bereits Kulturveranstaltungen besucht und einen Ort gefunden, an dem Kultur und Gemeinschaft erlebt werden kann. Viele dieser Veranstaltungen finden kostenfrei statt. Doch dieser Ort ist nicht nur ein Veranstaltungsort, hier werden wichtige Aufgaben für unsere Stadt übernommen. Seit 1999 werden hier Deutschkurse angeboten, seit 2005 auch Integrationskurse. Niedrigschwellige Angebote fördern abseits bürokratischer Hürden den Zugang zu Sprache und Bildung. Die Jugendhilfe Südniedersachsen, eine Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, eine Rechtsanwaltskanzlei sowie viele Vereine sind in dem Gebäude angesiedelt – unter anderem das Afghanistan-Kulturhaus, das Anatolische Kulturzentrum, Soft e. V., die Roma-Allianz, Jesidische Gemeinde und das Zentrum der Eziden, Living Future, die iranische Community und Stimme des Südens. Das “Haus der Kulturen“ steht für Zusammenhalt und gegenseitige Achtung. Hier werden traditionelle Feste gefeiert – sei es Nouruz, Yalda oder Weihnachten und Silvester für Migrantinnen. Auch erfolgreiche Projekte wie „Zusammenhalt stärken – Migrant*innen gegen Rassismus“ fanden ihren Ursprung im “Haus der Kulturen“. Dieses Projekt hat maßgeblich zum Aufbau von Antidiskriminierungsstrukturen beigetragen.
Das “Haus der Kulturen“ ist ein Ort des Empowerments: Hier erfahren Menschen Anerkennung und Selbstwirksamkeit. Hier werden kulturelle Eigenständigkeit, Teilhabe und gegenseitiger Respekt gelebt.
Ein Auszug oder gar die Schließung dieses Hauses würde vielen Menschen den Ort nehmen, an dem sie Gemeinschaft, Unterstützung und kulturelle Heimat finden.
Göttingen würde ein Stück seines offenen und vielfältigen Charakters verlieren. Deshalb appelliert der Rat der Stadt Göttingen an alle zuständigen Stellen, eine Lösung im Sinne des Fortbestandes des „Haus der Kulturen“ am jetzigen Standort zu ermöglichen.

